Kontrollwahn Schizophrenie Beispiel Essay

Klassifikation nach ICD-10
F20.0 paranoide Schizophrenie
F20.1 Hebephrenie
F20.2 katatone Schizophrenie
F20.3 undifferenzierte Schizophrenie
F20.4 Postschizophrene Depression
F20.5 Schizophrenes Residuum
F20.6 Schizophrenia simplex
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Schizophrenie wird eine Gruppe schwerer psychischer Krankheitsbilder mit ähnlichem Symptommuster bezeichnet.

Im akuten Krankheitsstadium treten bei schizophrenen Menschen eine Vielzahl charakteristischer Störungen auf, die fast alle Bereiche der Psyche betreffen: die Wahrnehmung, das Denken, die Ichfunktionen, den Willen, das Gefühls- und Gemütsleben, den Antrieb und die Psychomotorik.

Häufig werden nicht wirklich vorhandene Stimmen gehört (sogenanntes Stimmenhören). Es kann der Wahn auftreten, verfolgt, ausspioniert oder kontrolliert zu werden. Weiter kann es zu Gedankenlautwerden, Gedankenentzug oder zu Gedankeneingebung kommen. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität sind möglich. Auch sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit und mangelnde Motivation, emotionale Verflachung und Freudlosigkeit sind oft zu beobachten. Je nach vorherrschenden Symptomen werden mehrere Subtypen der Schizophrenie unterschieden.

In Europa leiden etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung an Schizophrenie. Das Risiko einer Erkrankung ist für Männer wie Frauen gleich hoch, wobei Männer offenbar in einem früheren Lebensalter erkranken. Obwohl Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis seit dem Altertum beschrieben werden, konnte noch keine eindeutige Ursache für sie ermittelt werden. Man geht heute von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus.

In vielen Fällen kommt es nach einer ersten Krankheitsphase zu Symptomfreiheit. Danach können in Schüben weitere Krankheitsphasen folgen. Bei etwa einem Drittel der Erkrankten bilden sich alle Symptome vollständig zurück, bei ungefähr einem weiteren Drittel kommt es immer wieder zu Krankheitsphasen. Beim letzten Drittel der Erkrankten ergibt sich ein chronischer Verlauf, der zu einer andauernden psychischen Behinderung führt.

Zum Schizophrenie-Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Schizophrenie leitet sich von altgriechischσχίζεινs’chizein = „spalten, zerspalten, zersplittern“ und φρήνphrēn = „Geist, Seele, Gemüt, Zwerchfell“ ab. Im antiken Griechenland hielt man das Zwerchfell für den Sitz der Seele, weshalb das Wort „phren“ (φρήν) für beide Begriffe steht. Früher wurde Schizophrenie wörtlich mit Spaltungsirresein übersetzt. Damit sollte beschrieben werden, was man damals als Kern der Erkrankung ansah: den verlorengegangenen inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen Funktionen der Psyche und deren mangelnde Wechselwirkung miteinander.[1]

Der Begriff wurde am 24. April 1908 von dem Schweizer Psychiater Eugen Bleuler in einer Sitzung des Deutschen Vereins für Psychiatrie erstmals öffentlich vorgestellt. Im selben Jahr veröffentlichte Bleuler den Artikel Die Prognose der Dementia praecox (Schizophreniegruppe) in der Allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie und psychischgerichtliche Medizin und 1911 die bekannte Schrift Dementia praecox oder die Gruppe der Schizophrenien.[2] Bleulers Konzept der Schizophrenie trat in Konkurrenz zum Konzept der Dementia praecox(vorzeitige Demenz) von Emil Kraepelin.[3]

Im klinischen Alltag in psychiatrischen Einrichtungen wurde früher bei Visiten und in Arztbriefen auch von „Morbus Bleuler“ gesprochen, um die negativ besetzte und stigmatisierende Bezeichnung Schizophrenie zu vermeiden. Früher wurden die Schizophrenie und die affektive Psychose unter dem Begriff endogene Psychose zusammengefasst.

Schizophrenie ist nicht gleichzusetzen mit dauerhaften kognitiven Leistungseinbußen, auch wenn der Begriff Dementia praecox diesen Irrtum zu bekräftigen scheint.[4] Es ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion, ob es sich bei der Schizophrenie um eine einzige Krankheitseinheit handelt oder ob sie eine heterogene Gruppe von mehreren Erkrankungen ist (mit unterschiedlichen Ursachen und Verlaufskriterien etc.).

Begriffsverwendung außerhalb der Fachsprache

In der Bevölkerung wird Schizophrenie oft mit anderen Erkrankungen verwechselt, insbesondere mit einer „gespaltenen Persönlichkeit“ (dissoziative Identitätsstörung). Dies wird abgeleitet aus einer zu wörtlichen Rückübersetzung des Begriffs („abspalten“/„Geist“, siehe auch Differentialdiagnose[5]).

Daneben etablierte sich in den 1950er Jahren „schizophren“ als bildungssprachlicher Ausdruck für „Unsinnigkeit, absurdes Verhalten, Wahn, Zwiespältigkeit“.[6]

Von einigen Betroffenen werden diese von der Fachsprachlichkeit abweichenden Verwendungen als diskriminierend empfunden.[7]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Symptome und Diagnose der Schizophrenie

Die Symptome der Schizophrenie lassen sich in drei große Bereiche einteilen: Positivsymptome, Negativsymptome und kognitive Symptome.

Die Ausprägung der Symptome und deren jeweilige Auswirkungen hängen bis zu einem gewissen Grad von der Persönlichkeit des Betroffenen ab. Die Symptome sind insgesamt sehr variabel; Patienten bleiben jedoch oft lange Zeiträume ihrem individuellen Symptom-Muster treu.

Positivsymptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Positivsymptome oder Plussymptome gelten Übersteigerungen und starke Fehlinterpretationen des normalen Erlebens bis hin zu manifesten chronischen Halluzinationen. Diese Symptome stellen also einen Überschuss gegenüber dem gesunden Zustand dar und können unterschiedliche Formen annehmen. Schizophrenien mit überwiegend positiven Symptomen beginnen oft plötzlich und es gibt oft vorher keine nach außen auffälligen Merkmale. Der Krankheitsverlauf ist hierbei eher günstig.

Charakteristische Positivsymptome sind inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen, Sinnestäuschungen und motorische Unruhe. Typisch für die inhaltlichen Denkstörungen ist die Bildung eines Wahns. Häufig treten akustische Halluzinationen (Akoasmen) auf: Etwa 84 % der Menschen mit einer schizophrenen Psychose nehmen Gedanken wahr, von denen sie meinen, deren Ursprung komme von außen. Sie nehmen z. B. Stimmen wahr, die in seltenen Fällen auch Befehle erteilen. Dies wird im allgemeinen Sprachgebrauch als "Stimmen hören" bezeichnet. Häufig hingegen haben Betroffene den Eindruck, durch fremde Stimmen beleidigt zu werden. Ein solches Erleben kann für die Betroffenen allein und inmitten von Sätzen auftreten, die umstehende Menschen sagen. Zu den Ich-Störungen zählen:

  • Gedankeneingebung (Gedanken werden eingegeben und nicht selbst gedacht)
  • Gedankenausbreitung (andere denken die eigenen Gedanken mit)
  • Gedankenentzug (andere nehmen die eigenen Gedanken weg)
  • sowie Gefühle, Handlungen oder Impulse, die als fremdgemacht empfunden werden.

Eine psychotische Schizophrenie kann an der Symptomatik eines Wahns erkennbar sein: Der Schizophrene besitzt dann eine argumentativ nicht angreifbare Überzeugung, in Geschehnisse verwickelt zu sein, die für andere nicht nachvollziehbar sind, unlogisch sind oder den Naturgesetzen widersprechen. Der Betroffene kommt beispielsweise zu dem Schluss, von Außerirdischen beobachtet zu werden, oder er hört Stimmen, die ihm Anweisungen geben. Im Zuge eines Verfolgungswahns kann die erkrankte Person zu der unbelegbaren Überzeugung kommen, dass andere ihn schädigen wollen (z. B. der Nachbar, die Regierung usw.).

Negativsymptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativsymptome oder Minussymptome bezeichnen Einschränkungen des normalen Erlebens jener psychischer Eigenschaften, die früher vorhanden waren, aber durch die Krankheit reduziert sind oder ganz fehlen. Diese Symptome stellen also einen Mangel gegenüber dem gesunden Zustand dar. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die einzelnen Negativsymptome:[8]

Negativsymptom Erklärung
Affektverflachung Mangelnde Bandbreite von Emotionen in Wahrnehmung, Erleben und Ausdruck. Die Verarmung der Gemütserregungen (Affekte) äußert sich in einer verminderten Fähigkeit „emotional mitzumachen“. Die Betroffenen reagieren gemütsmäßig nur eingeschränkt auf normalerweise bewegende Ereignisse, erscheinen durch Erfreuliches wie Unerfreuliches wenig berührt. Die normale Schwingungsfähigkeit zwischen verschiedenen affektiven Zuständen (Freude, Neugier, Trauer, Wut, Stolz …) geht verloren.
AlogieMangel an sprachlichen Äußerungen mit verzögerten, wortkargen Antworten und einer wenig differenzierten Sprache
Asozialität mangelnde Kontaktfähigkeit in Form von Desinteresse am Umgang mit anderen Menschen, sozialem Rückzug, wenigen Freunden und wenig sexuellen Interessen (nicht zu verwechseln mit antisozialem Verhalten)
Avolition mangelnde Fähigkeit, ein zielgerichtetes Verhalten zu beginnen und beizubehalten
AbulieMangel an Willenskraft in Form von Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
Apathiemangelnde Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, was zu Teilnahmslosigkeit und Interesselosigkeit führt
Anhedoniemangelnde Fähigkeit, Freude und Lust oder Genuss zu empfinden
„dynamische Entleerung“ Mangelnde Motivation zu Aktivitäten mit resultierender Antriebsarmut. Umfasst defizitäre Zukunftsplanung, bis hin zu weitgehender Perspektivlosigkeit.
motorische Defizite Mangel an Mimik und Gestik mit reduziertem Bewegungsspiel. Diese Defizite lassen den Erkrankten oft abweisend oder kontaktgestört erscheinen. Diese Distanz lässt sich durch Zuwendung überbrücken, die von den Erkrankten in der Regel dankbar angenommen wird, auch wenn sie das durch Mimik und Gestik nicht zeigen können. Die Verarmung der Psychomotorik lässt die affektive Resonanz stärker beeinträchtigt erscheinen, als sie ist. Werden die Patienten also nicht gerade während eines verfestigten Wahnzustands angesprochen, sind sie zumeist empfänglich für Empathie.

Schizophrenien mit einer ausgeprägten Negativsymptomatik beginnen oft schleichend und der Krankheitsverlauf ist eher ungünstig. Negativsymptome können schon Monate oder Jahre vor den akuten psychotischen Symptomen auftreten („Knick in der Lebenskurve“, „vorauslaufender Defekt“). Als Frühsymptome treten sehr oft Schlafstörungen und nicht selten auch depressive Symptome auf. Die Negativsymptome verstärken oder verfestigen sich üblicherweise mit zunehmender Krankheitsdauer.

Bei etwa zwei Dritteln der an Schizophrenie erkrankten Personen überdauern die Negativsymptome die Positivsymptome nach einem akuten Schub („schizophrener Defekt“, „Residualzustand“, „Residualsymptomatik“). Diese unterschiedlich ausgeprägten Einschränkungen führen zu Kontaktstörung, sozialem Rückzug und oft auch zu Invalidität. Bei einem gewissen Prozentsatz der an Schizophrenie Erkrankten bleiben jedoch keine Restsymptome zurück (s. Residualsymptomatik).

Nach Abklingen einer akuten Krankheitsphase bei einer schubförmig verlaufenden Schizophrenie folgt gelegentlich eine vorübergehende depressive Episode („depressive Nachschwankung“). Unterschieden werden sollte zwischen echten Negativsymptomen und den Nebenwirkungen der Therapie mit einem Neuroleptikum. Die Nebenwirkungen von Neuroleptika können das Vorliegen einer Negativsymptomatik imitieren.

Kognitive Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kognitive Störungen sind ein zentraler Symptomkomplex der Schizophrenie. Anders als der Begriff nahelegt, sind damit jedoch nicht Intelligenzdefizite gemeint, sondern Probleme mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und der Planung von Handlungen. Defizite in diesen Bereichen sagen am besten voraus, wie gut Schizophreniebetroffene ihren Alltag bewältigen können.[9]

Solche Störungen können dazu führen, dass das Denken kurzschrittig wird; mehrschichtige Zusammenhänge werden in ihrer Komplexität nicht mehr begriffen. Das Schreiben von Texten, die mehrgliedrige Kausalverkettungen enthalten, gelingt nicht mehr („Verkürzung der Spannweite des intentionalen Bogens“). Der sprachliche Ausdruck verarmt. In zugespitzten Fällen können Perseveration (stereotypes Wiederholen eines Wortes oder Gedankens) oder Idiolalie auftreten.

Diagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtig ist eine sorgfältige Diagnose, da sämtliche Symptome einer Schizophrenie (also Positiv- wie Negativsymptomatik) auch durch Epilepsie oder andere Erkrankungen des Gehirns, Stoffwechselstörungen und durch den Konsum oder den Entzug von Drogen hervorgerufen werden können. Als problematisch gilt, dass zwischen dem tatsächlichen Ausbruch der Krankheit und ihrer Diagnose eine erhebliche Zeitspanne liegen kann. Studien zeigen, dass erste Veränderungen schon fünf Jahre vor der ersten akuten Psychose zu beschreiben sind. Die erste Behandlung erfolgt durchschnittlich zwei Monate nach dem Beginn der ersten akuten Phase. Zur Verkürzung dieser Zeit der unbehandelten Erkrankung wurden inzwischen sogenannte Früherkennungszentren eingerichtet, die u. a. über das Kompetenznetz Schizophrenie im Internet recherchiert werden können.

Aufgrund der unterschiedlichen Definitionen des Krankheitsbildes in Europa und den USA kam es zu deutlichen Unterschieden in den angegebenen Häufigkeiten; erst die Einführung eines einheitlichen Diagnosesystems (ICD) führte zu einer einheitlicheren Diagnostik. In dieses System flossen in die Kriterien für Schizophrenie sowohl die Symptome der Schizophrenie nach Schneider als auch die Symptome der Schizophrenie nach Bleuler ein.

Heute werden schizophrene Erkrankungen nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (ICD-10) oder der Amerikanischen psychiatrischen Gesellschaft(DSM-5) diagnostiziert.

Nach DSM-5[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach DSM-5 ist Schizophrenie durch fünf von der Norm abweichende Hauptmerkmale gekennzeichnet:

  • Wahn: Der Wahn beschreibt eine feste Überzeugung, die trotz gegenteiliger Evidenz nicht verändert werden kann. Wahninhalte reichen von Verfolgungswahn, Beziehungswahn, körperbezogenem Wahn und religiösem Wahn bis hin zum Größenwahn.
  • Halluzinationen: Halluzinationen sind wahrnehmungsähnliche Erfahrungen, die ohne adäquate externe Reize auftreten. Halluzinationen erscheinen den Betroffenen eindeutig und klar, können durch die Betroffenen nicht kontrolliert werden und treten mit der gleichen Intensität und Wirkung auf wie normale Wahrnehmungen.
  • Desorganisiertes Denken (desorganisierte Sprache): Auf desorganisiertes Denken (formale Denkstörung) wird üblicherweise aus den sprachlichen Äußerungen der Betroffenen geschlossen. Betroffene können von einem Gedanken zum nächsten springen („Entgleisung“ oder „Assoziationslockerung“). Antworten können nur indirekt oder gar nicht mit den Fragen verbunden sein („Danebenreden“).
  • Grob desorganisiertes Verhalten oder gestörte Motorik (inklusive der Katatonie): Grob desorganisiertes Verhalten kann sich auf unterschiedliche Weisen manifestieren, die von kindlicher Albernheit bis zu unvorhersehbarer Unruhe reichen. Probleme können sich bei jeder Form zielgerichteten Verhaltens bemerkbar machen und zu Schwierigkeiten bei der Durchführung von Alltagsaktivitäten führen.
  • Negativsymptome: Negativsymptome erklären einen wesentlichen Teil der Morbidität bei Schizophrenie und sind bei anderen psychotischen Erkrankungen weniger ausgeprägt. Zwei Bereiche der Negativsymptome sind bei der Schizophrenie besonders häufig: verminderter emotionaler Ausdruck und die reduzierte Willenskraft (Avolition).

Diagnosekriterien im DSM-5:

A.) Zwei (oder mehr) der folgenden Symptome, jedes bestehend für einen erheblichen Teil einer einmonatigen Zeitspanne (oder kürzer, wenn erfolgreich behandelt). Mindestens eines dieser Symptome muss (1), (2) oder (3) sein.

  1. Wahn.
  2. Halluzinationen.
  3. Desorganisierte Sprechweise (z. B. häufiges Entgleisen oder Zerfahrenheit).
  4. Grob desorganisiertes oder katatones Verhalten.
  5. Negativsymptome (z. B. verminderter emotionaler Ausdruck oder reduzierte Willenskraft [Avolition]).

B.) Für eine erhebliche Zeitspanne seit dem Beginn der Störung sind eine oder mehrere zentrale Funktionsbereiche wie Arbeit, zwischenmenschliche Beziehungen oder Selbstfürsorge deutlich unter dem Niveau, das vor dem Beginn erreicht wurde.

C.) Zeichen des Störungsbildes halten durchgehend für mindestens 6 Monate an.

Nach ICD-10[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ICD-10 führt neun Symptomgruppen ((a)–(i)) an. Von den festgestellten Symptomen müssen über einen Zeitraum von mindestens einem Monat (beinahe ständig) mindestens ein eindeutiges Symptom aus den Gruppen (a) bis (d) oder Symptome aus mindestens zwei der Gruppen (e) bis (h) zutreffen. Die Gruppe (i) dient zur Diagnose der „Schizophrenia simplex“ (ICD-10 2014).[10][11]

Symptomgruppen nach ICD-10:

  • (a) Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung
  • (b) Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, Wahnwahrnehmungen
  • (c) kommentierende oder dialogische Stimmen
  • (d) anhaltender, kulturell unangemessener und völlig unrealistischer Wahn
  • (e) anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, begleitet von flüchtigen Wahngedanken oder überwertigen Ideen
  • (f) Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen führt
  • (g) katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit, Negativismus, Mutismus und Stupor
  • (h) „negative“ Symptome wie auffällige Apathie, verflachte oder inadäquate Affekte
  • (i) deutliche und konstante Veränderung im persönlichen Verhalten (Interessensverlust, Ziellosigkeit, Müßigkeit, sozialer Rückzug)

Entstehung und Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Verlauf der Schizophrenie

Hauptartikel: Beginn und Frühverlauf der Schizophrenie

Hauptartikel: Spätschizophrenie

Schizophrenie bei Erwachsenen

Schizophrenien können sowohl schubweise als auch chronisch verlaufen, wobei die schubweise Verlaufsform häufiger ist. Ein Schub, also eine akute Krankheitsphase, kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Danach klingt die Krankheit mehr oder weniger vollständig ab, bis nach Monaten oder Jahren ein neuer Schub erfolgt. Nur selten bleibt es bei einem einzelnen Schub.

Zwischen den einzelnen Schüben kann es zu einer vollständigen Remission (Zurückbildung) der Symptome kommen. Üblicherweise folgt der akuten Phase jedoch eine Residualphase mit negativen Symptomen. Solche Restsymptome sind zum Beispiel soziale Isolation, Beeinträchtigung der persönlichen Hygiene, auffallende Sprachmuster (Sprachverarmung), Depressivität oder Antriebsmangel. Bei manchen Verläufen bleiben die Residualsymptome stabil, bei anderen werden sie nach jedem Schub stärker. Der erste Krankheitsschub beginnt typischerweise zwischen Pubertät und dreißigstem Lebensjahr. Bei Frauen beginnt die erste schizophrene Episode in der Regel etwas später als bei Männern (etwa drei Jahre); so genannte Spätschizophrenien (erster Schub nach dem 40. Lebensjahr) treten hauptsächlich bei Frauen auf. Als Grund für diesen geschlechtsspezifischen Unterschied wird eine die Erkrankung eindämmende Wirkung des bei Frauen höheren Östrogenspiegels vermutet.

Besonders problematisch sind schleichend beginnende Fälle, die häufig zu einem chronischen Verlauf der Krankheit führen. Selbst wenn in diesen Fällen eine akute Episode (Schub) den schleichenden Verlauf unterbricht, bleiben die oben beschriebenen Residualsymptome bestehen (Janzarik: „vorauslaufender Defekt“).

Prädiktoren für einen günstigen Verlauf sind unauffällige Primärpersönlichkeit, höheres Ausbildungsniveau, gute soziale Anpassung, ungestörte Familienverhältnisse, akuter Krankheitsbeginn, erkennbare psychosoziale Auslösefaktoren und ausgeprägte affektive und paranoide Symptome. Prädiktoren für einen ungünstigen Verlauf sind: soziale Isolation, längeres Bestehen der Episode vor einer Behandlung, vorangegangene psychiatrische Behandlungen, frühere Verhaltensauffälligkeiten (ADHS) und fehlende Beschäftigung.

Gravierend ist auch die Suizidgefahr: Etwa 10 bis 15 % aller Erkrankten sterben durch Selbsttötung; dies betrifft am häufigsten jüngere männliche Erkrankte.

Schizophrenie bei Kindern

In extrem seltenen Fällen können bei Kindern Formen von schizophrenen Psychosen etwa ab dem achten Lebensjahr auftreten. Die wichtigsten Symptome dabei sind Sprachzerfall, Kontaktverlust und affektive Störungen. Schizophrenien bei Kindern vor dem Schulalter sind nicht diagnostizierbar, da die Symptome die Beeinträchtigung des Denkens, Sprechens, der Wahrnehmung und Gefühlswelt voraussetzen und diese Fähigkeiten in diesem Alter noch nicht hinreichend entwickelt sind. Von der kindlichen Schizophrenie, die als plötzlicher Knick in einer bis dahin normalen Entwicklung verstanden werden muss, muss man den kindlichen Autismus (Kanner-Syndrom und Asperger-Syndrom) unterscheiden. Dieser zeigt sich bereits ab Geburt oder Krabbelalter.

Schizophrenien im Alter

Bis in die 1980er Jahre wurde angenommen, dass es im höheren Alter nicht zu Ersterkrankungen kommt. Daher wurde die Diagnose von Schizophrenie nur bei Patienten unter 45 Jahren zugelassen. Personen, die schizophrenieähnliche Symptome aufwiesen, aber höheren Alters waren, wurden in der Regel andere Wahnerkrankungen attestiert.

Neue Studien, welche in den Niederlanden und Großbritannien durchgeführt wurden, kamen jedoch zu Ergebnissen, die diese Behauptungen widerlegen. Diesen Untersuchungen zufolge steigt die Zahl der Erstaufnahmen für Schizophrene ab dem 70. Lebensjahr erheblich an und erreicht im hohen Alter Werte, die noch über den Erstaufnahmeraten jüngerer Jahrgänge liegen.

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lebenszeitprävalenz, an einer schizophrenen Psychose zu erkranken, beträgt etwa ein Prozent. Schizophrenie ist also eine verbreitete Krankheit. Die Inzidenzraten (Neuerkrankungen) pro Jahr liegen unter denen der Lebenszeit-Prävalenz bei etwa einer Person von 10.000, wie aus einer WHO-Multicenterstudie (Jablenski, 1995) hervorgeht.

Männer und Frauen erkranken in etwa gleich häufig. Allerdings erkranken im Durchschnitt Frauen später (zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr) als Männer (zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr). Schizophrenien kommen in allen Kulturen der Welt mit gleicher Häufigkeit vor, aber das jeweilige Erscheinungsbild wechselt mit den soziokulturellen Gegebenheiten. So findet man beispielsweise den Subtypus einer katatonen Schizophrenie in Industrieländern viel seltener (fast gar nicht mehr) als in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schizophreniekonzepte

Hauptartikel: Neurobiologische Schizophreniekonzepte

Als Erklärungsmodell zur Verursachung (Ätiologie) der schizophrenen Psychosen geht man derzeit von einem multifaktoriellen Wechselspiel aus biologischen (z. B. genetische, infektiöse, metabolische) und psychosozialen Ursachen aus. Demnach können mehrere dieser Faktoren in Kombination eine Schizophrenie auslösen – so wie es im Vulnerabilitäts-Stress-Modell dargestellt wird, wonach das Überschreiten einer nicht definierten Menge Stress der Faktor ist, der die Psychose bei einem vulnerablen Menschen ausbrechen lässt. Als zentral wird eine Dysregulation der Informationsverarbeitung angesehen.

Biologische Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neurobiologie und Genetik

Die Zwillingsforschung hat eine genetische Komponente der Schizophrenie, die durch eugenisch geprägte Forscher wie Ernst Rüdin oder Manfred Bleuler überschätzt wurde, relativiert. Je näher die Verwandtschaft mit einem Schizophreniekranken, desto wahrscheinlicher wird auch eine eigene Erkrankung. Bei einem schizophreniekranken Elternteil beträgt sie fünf bis zehn Prozent, bei kranken Geschwistern acht bis zehn Prozent, bei eineiigen Zwillingen 45 % und etwa 21 % bei zweieiigen Zwillingen.[12][13][14][15] Wäre die Schizophrenie eine rein genetisch verursachte Krankheit, müsste sie bei eineiigen Zwillingen 100 % betragen.[16] So könnte man sich die beobachtete erhöhte Konkordanz bei eineiigen im Vergleich zu zweieiigen Zwillingen oder zu genetisch nichtidentischen Geschwistern auch durch die erleichterte Übertragung intrauteriner Infektionen von der Mutter auf einen oder beide Föten einer Zwillingsschwangerschaft erklären,[16] und allgemein bei Zwillingen im Gegensatz zu anderen Geschwistern durch zeitgleiche (früh-)kindliche Prägung (siehe unter psychosoziale Faktoren).

Es gibt auch Hinweise auf einen Zusammenhang von Schizophrenie mit frühkindlichen Hirnschädigungen, etwa durch Geburtskomplikationen.[17] Später an Schizophrenie erkrankte Menschen weisen eine erhöhte Quote an Komplikationen bei ihrer Geburt auf. Insgesamt fallen bei diesen Betroffenen die Behandlungsprognosen schlechter aus.[18]

Weiterhin gibt es einige Befunde, die vermuten lassen, dass frühkindliche Infektionen eine Rolle spielen.[17] Die Häufung schizophrener Erkrankungen bei Menschen, welche in Großstädten sowie in den ersten drei Monaten des Jahres geboren wurden, stützt diese Hypothese.[18] Zu den Infektionen, die im Verdacht stehen, das Ausbrechen schizophrener Psychosen zu begünstigen, gehören einerseits bestimmte Viren (Herpes-simplex-Virus Typ II, Influenzavirus und früher auch das Virus der Bornaschen Krankheit), andererseits stehen auch Protozoen wie Toxoplasma gondii[19] und bestimmte Borrelien unter Verdacht. Da diese Hinweise jedoch überwiegend auf dem Nachweis von Antikörpern im Blutserum schizophrener Patienten beruhen, sind sie aufgrund methodischer Unsicherheiten umstritten.

In bestimmten Untersuchungen des Gehirns von schizophrenen Patienten kann man Anomalien feststellen – teilweise auch schon zu Beginn der Erkrankung. Dabei zeigt sich eine statistisch signifikante Häufung dieser Anomalien in Struktur- und Funktionsuntersuchungen bei schizophrenen Patienten gegenüber nicht-schizophrenen Personen. So weisen manche schizophrene Patienten leicht erweiterte Hirnventrikel (Seitenventrikel) auf.[20] In der feingeweblichen Untersuchung von Hirngewebe verstorbener Schizophrener ist teilweise ein Mangel an Nervenfasern und Nervenverbindungen im Bereich der Amygdala, des Hippocampus und anderen limbischen Strukturen, des Temporallappens und der frontalen Hirnregionen nachzuweisen wie auch andere Auffälligkeiten der Mikrostruktur.[20] Dennoch sind diese Befunde nicht spezifisch für die Schizophrenie – sie finden sich nicht bei allen schizophrenen Patienten. Bei einer Positronen-Emissionstomografie ist bei schizophrenen Patienten oft eine verminderte Aktivität des Frontalhirns zu erkennen. Dies nennt man Hypofrontalität.[18] Bislang wurde jedoch nicht geklärt, ob es sich bei der beschriebenen Veränderung um eine verminderte Aktivität des frontalen Cortex handelt oder nur um seine verminderte Aktivierbarkeit aufgrund einer krankheitsbedingten erhöhten Basisaktivität.[21][22]

Während einer schizophrenen Psychose kommt es auch zu biochemischen Veränderungen im Gehirn. Dabei spielt der NeurotransmitterDopamin eine große Rolle (Dopaminhypothese). Ein Teil der Nervenzellen, die Dopamin als Neurotransmitter verwenden, sind in der Psychose überaktiv, andere unteraktiv, womit man heute einerseits die sogenannten Positivsymptome (als Folge der Überaktivität des einen Teils) und andererseits die Negativsymptome (als Folge der Unteraktivität eines anderen Teils des Dopaminsystems) erklärt.[18] In diesem Transmittersystem wirken auch die Medikamente, welche die positiven schizophrenen Symptome günstig beeinflussen oder beseitigen können, – die sogenannten Neuroleptika. Ein anderer Botenstoff, das Glutamat, ist seit neuestem mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, seit eine Studie Hinweise auf eine Wirksamkeit eines (noch nicht im Handel erhältlichen) Medikaments erbracht hat, das auf dieses System einwirkt.[23] Glutamat ist aber weiterhin viel diskutiert in der Pathogenese der Schizophrenie. So konnten nun auch zumindest bei einem Teil der Schizophrenie-Erkrankten Antikörper gegen den NMDA-Rezeptor für Glutamat im Gehirn gefunden werden. Das Vorhandensein dieser Antikörper weist nun auf eine autoimmune Genese mit neuen Behandlungsmöglichkeiten hin.[24]

Diese Befunde lassen vermuten, dass die neurobiologischen Grundlagen der Schizophrenie nicht auf einen bestimmten Punkt im Gehirn festzulegen sind. Möglicherweise kommt es aufgrund einer Reihe biologischer Faktoren, wie genetische Faktoren, Sauerstoffmangel bei der Geburt und eventuell frühkindliche Infektionen, zu einer Entwicklungsstörung des Gehirns, welche sich in einer veränderten Vernetzung von Nervenzellen in der Ultrastruktur des Hirns äußert.[25] Diese und möglicherweise andere Ursachen führen zu einer Vulnerabilität der noch nicht erkrankten Person. Allerdings können bereits bestimmte neuropsychologisch nachweisbare Symptome, so genannte Basissymptome, vorhanden sein. Bis zur völligen Ausreifung des Gehirns können die Vulnerabilität und die dadurch eventuell bedingten geringen Basissymptome kompensiert werden. In der Adoleszenz oder später kann es dann bei hinzukommenden psychosozialen Belastungen – oder bei starker Vulnerabilität auch spontan ohne diese – zum Ausbruch der schizophrenen Psychose kommen. Man nennt dies das Diathese-Stress-Modell.[26] Letztlich kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem überwiegend phänomenologisch definierten Krankheitsbild der Schizophrenie nur um die gemeinsame Endstrecke verschiedener, funktionell völlig unabhängiger Pfade der Krankheitsentstehung handelt.[27] Für eine solche Sichtweise spricht unter anderem das Auftreten schizophrenieartiger psychotischer Symptome bei einer Reihe von organischen Erkrankungen wie z. B. bei der Epilepsie und im Verlauf von HIV-Infektionen.[18]

Toxische Faktoren

Allgemein kann festgestellt werden, dass stark bewusstseinsverändernde Substanzen den Ausbruch einer Schizophrenie begünstigen. Pauschale Aussagen können nicht getroffen werden; es kommt sowohl auf die genetische Disposition als auch auf die jeweilige Persönlichkeit an. Psychotrope Substanzen wie Alkohol, Amphetamine, Kokain und Phencyclidin können substanzinduzierte Psychosen auslösen.[28] Ebenfalls ist bekannt, dass auch nicht bewusstseinsverändernde Stoffe wie z. B. Steroide eine Psychose hervorrufen können.[28] Beobachtungen bei experimentell erzeugten Psychosen, wie z. B. durch Halluzinogene induziert, lassen nach Gouzoulis et al. den Schluss zu, dass die experimentell erzeugte Psychose ein nützliches Modell für akute schizophrene Psychosen (Schübe) darstellt, aber nicht für die pathologische Entität „Schizophrenie“.[29][30]

Hormonelle Faktoren

Schon Kraepelin und Kretschmer hatten festgestellt, dass viele schizophrene Frauen Zeichen für eine „Unterfunktion der Keimdrüsen“ mit „Hypoöstrogenismus“ zeigten. Östrogene scheinen zahlreiche Neurotransmittersysteme, unter anderem das dopaminergene, zu beeinflussen. Östrogene verbessern die Gehirndurchblutung, stimulieren das Neuronenwachstum und die synaptische Vernetzung und wirken allgemein neuroprotektiv. In klinischen Studien konnten bei schizophrenen Frauen unregelmäßige Zyklen und im Vergleich zu den Normwerten gesunder Frauen erniedrigte Estradiol- und Progesteronspiegel festgestellt werden. Schon sehr früh wurden Versuche zur Hormonsubstitution angestellt und über Erfolge berichtet. Es sind jedoch nur wenige Details dieser Versuche bekannt. In jüngster Zeit gab es Interventionsstudien, in denen berichtet wird, dass bei psychotischen Frauen durch eine adjuvante Östrogengabe zusätzlich zu Neuroleptika eine raschere Besserung eintrat als bei der Kontrollgruppe. Bei postmenopausalen Frauen mit Schizophrenie, bei denen eine Östrogensubstitution erfolgte, konnte eine geringere Minussymptomatik festgestellt werden. Sie benötigten zudem signifikant niedrigere Dosen von Neuroleptika.[31]

Immunologische Faktoren

Frühere immunologische Ansätze wie die „Impfmalaria“ Wagner-Jaureggs blieben wissenschaftlich umstritten; Untersuchungen auf spezifische Antikörper, bspw. gegen neurotrope Viren oder fremde DNA, verliefen ohne wegweisende Resultate. Neuere Forschungen weisen in Richtung einer unspezifischen Aktivierung bestimmter Teile des Immunsystems.[32] Auch Hinweise auf Veränderungen des Tryptophan- und Kynureninstoffwechsels verdichten sich. Störungen des Kynureninstoffwechsels beim Menschen mit erhöhten L-Kynurenin bzw. Metaboliten-Werten sind für die Schizophrenie[33][34] und andere psychiatrische Erkrankungen[35] beschrieben. Typischerweise kommt es dabei zu einer Anhäufung (Kumulation) von Kynurenin und einer Verschiebung des Tryptophanstoffwechsels hin zu Kynurensäure, Anthranilsäure und deren weiteren Stoffwechselprodukten.[36][37][38][39] Eine häufige Konstellation bei verschiedenen neuropsychiatrischen Erkrankungen ist eine gleichzeitig erhöhte Kynurenin/Tryptophan ratio durch Akkumulation von Kynurenin vor dem nächsten Stoffwechselschritt, der Hydroxylisierung zu 3-Hydroxykynurenin infolge Katalysierung durch Kynurenin-3-Monooxygenase (KMO).[40]

Perinatale Komplikationen

Pränatale beziehungsweise perinatale Komplikationen, wie zum Beispiel Plazentainsuffizienz oder Hypoxie oder auch Infektionen in der Schwangerschaft sind ein Risikofaktor für spätere schizophrene Erkrankungen des Kindes.[41]

Psychosoziale Faktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühere Annahme eines schizophrenieauslösenden Familienmilieus (insbesondere der „schizophrenogenen Mutter“) gilt als überholt. Dies gilt auch für die lange Zeit populäre Doppelbindungstheorie. Ich-Entwicklungsdefizite oder gravierende Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren können dagegen Faktoren sein, die zu einer größeren Vulnerabilität, also Krankheitsanfälligkeit, führen. Heinz Häfner (2000) sieht zwar die ursächliche Erklärung der Schizophrenie aus dem Familienmilieu heraus als gescheitert an. Was jedoch nicht bedeuten würde, dass die persönliche Wärme, Zuwendung und die Unterstützung einer normalen geistigen, körperlichen und sozialen Entwicklung, die der später Erkrankende in Kindheit und Jugend von seinen Eltern erfährt, für die später auftretende Krankheit und ihren Verlauf unwichtig wären. Ebenso wenig seien konfliktreiche und belastende Beziehungen in den Familien schizophren Erkrankter für die Auslösung und den Verlauf der Krankheit zu vernachlässigen.[42]

Dem derzeit aktuellen Diathese-Stress-Modell (nach Zubin, Ciompi) zufolge sind es also bestimmte Belastungssituationen, die im Zusammenwirken mit anderen ungünstigen Faktoren bei Menschen mit einer angeborenen „Anfälligkeit“ für psychische Erkrankungen zum Ausbruch einer schizophrenen Psychose führen können. Anekdotische Berichte weisen auf eine Assoziation von akuten Schüben mit belastenden und veränderungsträchtigen Lebenssituationen hin, etwa Auszug aus dem Elternhaus, Heirat, Arbeitsplatzwechsel, Renteneintritt, Todesfall in der Familie usw. Zusammenfassend bezeichnet man diese als „belastende Lebensereignisse“, die im Zusammenspiel mit reduzierten Coping-Mechanismen eine Rolle spielen können.[43]

Es gibt ferner eine Studie (Myhrman u. a. 1996) dahingehend, dass Kinder von Müttern, die ihr Kind in der späten Schwangerschaft als „ungewollt“ bezeichnet hatten, etwa doppelt so häufig wie eine Kontrollgruppe im Laufe ihres Lebens an Schizophrenie erkranken. Ein konkreter Ursache-Wirkung-Zusammenhang wurde in dieser Studie allerdings nicht beschrieben.[44] Eine dänische Studie fand eine Assoziation von Wohnort und Erkrankungsrisiko. So erkranken Menschen, die die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens in der Stadt verbracht haben, ungefähr zwei bis drei Mal so häufig an Schizophrenie wie Landkinder. Die Gründe für diese Stadt-Land-Unterschiede sind nicht bekannt.[45]

Im Jahre 2006 erschien eine Metaanalyse, die behauptete, dass das Vorkommen von körperlichem und sexuellem Missbrauch in der Biographie von Menschen mit Schizophrenie sehr hoch und bisher zu wenig erforscht sei.[46]

Unterformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Subtypisierung der Schizophrenie

Die folgenden Unterformen der Schizophrenie bedeuten keine abschließende Aufzählung. Häufig kann eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis keiner dieser Formen eindeutig zugeordnet werden, da es viele Mischformen und Überschneidungen gibt. Die folgenden Subtypen beschreiben eher symptomatische Schwerpunkte innerhalb der schizophrenen Psychosen und sind keine abschließende Definition. In der DSM-5 wurde die Einteilung in Untergruppen aufgegeben.

Paranoide Schizophrenie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hierbei handelt es sich um die häufigste Form der Schizophrenie. Wesentliche Merkmale der paranoiden Schizophrenie sind Wahnvorstellungen, Ich-Störungen und akustische Halluzinationen (etwa imperative [befehlende] oder kommentierende Stimmen), die in ca. 80 % aller Fälle vorkommen. Die Wahnvorstellungen können z. B. eine Überwachung oder Fremdbeeinflussung, Kontakt zu „Außerirdischen“ oder „Göttern“ zum Inhalt haben und werden durch eventuell auftretende Halluzinationen verstärkt. Im Vordergrund steht hier die Positivsymptomatik; Negativsymptome treten dagegen kaum auf.

Hebephrene Schizophrenie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hebephrene Schizophrenie

Die Hebephrenie ist eine im Jugendalter beginnende Form der schizophrenen Psychose. Hier stehen affektive Veränderungen (d. h. Auffälligkeiten des Gefühls- und Gemütslebens und der Stimmung), desorganisiertes Verhalten und Denkstörungen im Vordergrund. Die Betroffenen werden häufig als emotional verflacht oder verarmt beschrieben. Oft lässt sich ein Entwicklungsknick beobachten: plötzlicher Leistungsabfall in der Schule, Abbruch sozialer Beziehungen, auffallende Antriebslosigkeit oder Isolierung. Aufgrund dieser Symptome ist die Abgrenzung einer Hebephrenie von üblichen, nicht krankhaften Pubertätsschwierigkeiten nicht einfach. Wahn und Halluzinationen kommen nur bruchstückhaft vor. Der hebephrenen Schizophrenie wird im ICD-10 eine eher ungünstige Prognose zugesprochen.

Katatone Schizophrenie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Katatone Schizophrenie

Bei der katatonen Schizophrenie prägen psychomotorische Symptome das Erscheinungsbild. Es können zum Beispiel Haltungsstereotypien (eigenartige Haltungen werden eingenommen und über lange Zeit beibehalten) auftreten. Im katatonen Stupor ist der Patient bewegungslos bei voll erhaltenem Bewusstsein: Er ist wie erstarrt und spricht nicht. Eine Unterform des Stupors ist die Katalepsie, bei der man den Kranken wie eine Gliederpuppe bewegen kann. In der katatonen Erregung (Raptus) kommt es zu starker motorischer Unruhe („Bewegungssturm“). Erregung und Stupor können schlagartig wechseln.

Der katatone Stupor kann zu Nahrungs- und Flüssigkeitsverweigerung führen, und die Betroffenen können nicht auf die Toilette gehen. Daher ist der katatone Stupor ein lebensgefährlicher psychiatrischer Notfall.

Schizophrenia simplex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Subtyp wurde 1903 zuerst von Otto Diem beschrieben. Hier setzt die Krankheit im Erwachsenenalter langsam und schleichend ein, wobei die auffallenden halluzinatorischen und paranoidenSymptome fehlen. Daher wird sie auch als blande Psychose bezeichnet. Die Betroffenen werden von ihrer Umwelt als „seltsam“ oder „verschroben“ empfunden und ziehen sich mehr und mehr zurück. Die Schizophrenia simplex ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein von Negativsymptomen und schreitet langsam fort. Sie kann therapeutisch kaum beeinflusst werden und hat also eine eher ungünstige Prognose. Die Suizidrate unter Betroffenen ist hoch.[47]

Eugen Bleuler schrieb zur Schizophrenia simplex: „...ist eine schleichende Form der Schizophrenie, die sich über lange Jahre vor allem durch ein zunehmendes, unbegreifliches soziales Versagen bei Menschen kennzeichnet, die vorher gesund waren(...). Kommen die Kranken Jahre nach Beginn dieses Versagens zur ärztlichen Untersuchung, findet man keine in die Augen springenden, dramatischen psychotischen Zeichen. Bald fällt aber ihre unklare, verschrobene Sprache auf; sie zeigt bei genauer Untersuchung die Kennzeichen der schizophrenen Zerfahrenheit. Noch auffälliger ist aber gewöhnlich der Autismus solcher Kranken: Sie leben dahin, ohne sich groß um gesunde Lebensziele, um ihr berufliches Fortkommen, ihre Angehörigen und ihre Zukunft zu kümmern.“[48]

Im Allgemeinen gilt dieses Störungsbild als schwer diagnostizierbar, unter anderem wegen starker definitorischer Überschneidungen mit der schizotypen Störung. In der ICD-10 wird sogar von der Diagnosestellung abgeraten. Im DSM-IV ist die Schizophrenia simplex als klinische Diagnose gar nicht definiert, aber im Anhang B als Forschungskategorie enthalten.[49]

Differentialdiagnose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Schizophrenie ist abzugrenzen von anderen psychischen Störungen, z. B. von:

Am häufigsten wird Schizophrenie bei Klienten mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) fehldiagnostiziert, obwohl diese Erkrankungen völlig unterschiedlichen Ursprungs sind (DIS ist eine Traumafolgestörung). Das liegt vor allem daran, dass die sogenannten „Schneiderschen Positiv-Symptome“ häufiger bei Klienten mit einer DIS vorkommen als bei Schizophreniekranken selbst, dass diese Positiv-Symptome also eher charakteristisch für das Vorliegen einer Dissoziativen Identitätsstörung sind. Dies zeigte sich schon 1992 in ersten Untersuchungen von Ross und Joshi.[50] Zu dem gleichen Ergebnis kam Kluft schon 1987; Ross bestätigte diese Ergebnisse in weiteren Studien.

Auch rein organische Krankheiten wie z. B. die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis können fälschlich als Schizophrenie diagnostiziert werden.[51]

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Therapie der Schizophrenie

Bis heute gelten schizophrene Störungen als nicht im eigentlichen Sinne „heilbar“. Mit Einführung der Neuroleptika verschwanden die früher praktizierten „harten Kuren“ wie Insulinschock oder Operationen am Frontallappen des Gehirns der Patienten. Heute gibt es eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, die es den Erkrankten häufig ermöglichen, ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu führen.

Medikamentöse Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer akuten Phase steht dabei häufig die medikamentöse Behandlung im Vordergrund;[52] sie verbleibt jedoch unter der gesamten Behandlung die Basis der Therapie. In erster Linie werden dabei sogenannte Antipsychotika (alte Bezeichnung: Neuroleptika) eingesetzt, die spezifisch auf psychotische Symptome (positive Symptomatik, also etwa die Halluzinationen) wirken. Inwieweit die sogenannten Minus-Symptomatiken (negative Symptomatiken) wie Antriebslosigkeit, Affektverflachung oder Depressivität von Antipsychotika beeinflusst werden, ist für die meisten Präparate nicht gut belegt. Sie wirken auf den Neurotransmitterstoffwechsel ein und können oft relativ schnell die Akut-Symptomatik mildern oder beseitigen. Neuroleptika führen nicht zu einer Gewöhnung oder Abhängigkeit. In einer 2009 in Finnland landesweit durchgeführten Studie wurden die Überlebenszeiten von Patienten mit einer Schizophrenie untersucht; dabei sah man, dass Patienten im Schnitt 20 bis 25 Jahre früher starben als die finnische Normalbevölkerung; dabei war das Risiko am höchsten für die Gruppe der Patienten ohne eine medikamentöse Behandlung, am niedrigsten für die Gruppe, die mit Clozapin behandelt wurde.[53]

Klassische Antipsychotika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältere Neuroleptika wirken vornehmlich auf den Dopaminstoffwechsel (=  typische Neuroleptika). Da das Dopamin wesentliche Funktionen bei der Bewegungssteuerung hat, treten in diesem Bereich teilweise gravierende Nebenwirkungen auf (sogenannte extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen): Dyskinesien (Bewegungsstörungen, hauptsächlich im Gesichtsbereich und an den Extremitäten), parkinsonähnliche Symptome und Akathisie (quälende Bewegungsunruhe). Besonders problematisch sind hierbei die sogenannten Spätdyskinesien, die erst nach längerer Zeit der Einnahme auftreten, nach Absetzen der Medikation teilweise jedoch bestehen bleiben. Neuroleptika können zu Hyperprolaktinämie führen, und dies wiederum kann Unterdrückung der Estradiolproduktion bewirken. Es sind Langzeitfolgen wie emotionale Labilisierung, Osteoporose, eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos und kognitive Störungen zu befürchten. Deswegen wird oft eine Östrogensubstitution durchgeführt.

Atypische Antipsychotika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der zunehmenden Anwendung der klassischen Antipsychotika zeigten sich bald auch die oben beschriebenen Nebenwirkungen, die teilweise als eine notwendige Bedingung für den therapeutischen Effekt (sogenannte neuroleptische Schwelle) angesehen wurden. Mit der Einführung des Clozapins gab es jedoch ein Präparat, das bei gleichzeitig überlegener Wirkung keine der extrapyramidalen Nebenwirkungen zeigte.

Die danach eingeführten Antipsychotika sind (bisher nicht geglückte) Versuche, diese überlegene Wirkung zu erreichen, ohne die bei dem Clozapin auftretenden Nebenwirkungen, vor allem die Blutbildveränderungen, in Kauf nehmen zu müssen. Atypische Antipsychotika sind hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen jedoch – im Gegensatz zu den klassischen Antipsychotika – ausgesprochen uneinheitlich; einige dieser Präparate haben jedoch ein erhöhtes Risiko für Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Herz-Gefäßerkrankungen. Bei Frauen werden insbesondere bei nachgewiesenem Östrogendefizit atypische Neuroleptika oft bevorzugt, da Langzeitfolgen eines Östrogenmangels zu befürchten sind. Bei einer Umstellung von einem typischen auf ein atypisches Neuroleptikum kann es zu einer Normalisierung des Zyklus und zu einer Wiederherstellung der Fruchtbarkeit kommen. Somit sind ungeplante Schwangerschaften möglich.

Für ein atypisches Neuroleptikum (Aripiprazol) gilt, dass es nicht – wie frühere Präparate – ein ausschließlicher Dopaminantagonist ist, sondern den Dopaminstoffwechsel eher reguliert. Dennoch treten unter diesem Präparat parkinsonistische Nebenwirkungen auf, wenngleich deutlich seltener als bei den klassischen Präparaten. Auch ein Abbauprodukt des Clozapins (Desmethylclozapin) ist ein partieller Agonist; inwieweit das zur klinischen Wirkung des Clozapins beiträgt, ist jedoch unklar.

Zu den atypischen Neuroleptika zählen auch Sulpirid[54] und Quetiapin.[55] Beide wirken sowohl bei Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis, als auch bei depressiven Psychosen. Daher werden diese Medikamente mitunter auch als „Breitbandpsychopharmaka“ bezeichnet.

Weitere Substanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich werden manchmal Antidepressiva oder angstlösende Medikamente (Beruhigungsmittel bzw. Tranquilizer) verschrieben.

Behandlung in der Schwangerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Datenlage für bleibende Embryonal- und Fetalschäden ist für Antipsychotika sehr unsicher, wenige Daten liegen vor. Oft ist jedoch ein Aussetzen der Behandlung gefährlicher für sowohl Mutter als auch Kind als deren Fortführung. Dennoch sollten alle Psychopharmaka unter der Schwangerschaft so niedrig wie möglich dosiert werden; klassische Antipsychotika können auch beim Kind zu parkinsonistischen Nebenwirkungen führen. Vor allem Benzodiazepine sollten reduziert und – wenn irgend möglich – abgesetzt werden, um dem Neugeborenen als erste Erfahrung nach der Geburt einen Entzug mit allen dazugehörigen Unannehmlichkeiten zu ersparen.

Neue und alternative Ansätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In bestimmten Studien wird der Einfluss von Eicosapentaensäure auf Schizophrenie untersucht.[56][57]

Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren kann möglicherweise die Behandlung einer Schizophrenie unterstützen: In drei von vier Interventionsstudien wurden positive Effekte gesehen[58] sowie in Studien zur Wirkung von Eicosapentaensäure.[59] Omega-3-Fettsäurespiegel sind in schizophrenen Patienten niedriger als in gesunden Kontrollen.[58]

Erste Pilot-Studien mit dem Prohormon Pregnenolon scheinen eine positive Wirkung unter anderem in Bezug auf Negativsymptome, Positivsymptome, verbale Merkfähigkeit, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeitsfähigkeit anzuzeigen.[60][61][62]

Weltwahrnehmung einer Person mit Schizophrenie (künstlerisches Selbstporträt).

Synonyme im weiteren Sinne

  • Bewusstseinsspaltung
  • endogene Psychosen
  • schizophrene Psychosen
  • Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis

Definition

Um den Begriff der Schizophrenie zu verstehen, muss man zunächst einmal den Begriff Psychose klären. Eine Psychose ist ein Zustand, bei dem der Patient den Bezug zur Wirklichkeit (Realität) verliert. Normalerweise nehmen wir Menschen unsere Realität mit Hilfe unserer Sinne wahr und verarbeiten sie anschließend in unserem Denken. Im Rahmen einer Psychose, bzw. eines psychotischen Zustandes kann beides gestört sein.

Die Schizophrenie nun ist eine Form der Psychose, bei der zum einen die Sinneswahrnehmungen gestört sein können und es zu Halluzinationen kommen kann, zum anderen kann auch das Denken an sich schwer gestört sein. Die Verarbeitung von Wahrnehmungen können z.B. zu Wahnvorstellungen führen.

Alles in allem verlieren Menschen in einem psychotischen Zustand nach und nach den Bezug zur Realität und somit auch zu ihrem Leben. Sie können die ihnen zugetragenen Aufgaben (als Partner, Arbeitnehmer, Autofahrer etc.) zunehmend schwerer erfüllen.

Was Psychose bzw. Schizophrenie nicht meint, ist eine gespaltene Persönlichkeit bzw. multiple Persönlichkeitsstörung!

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Persönlichkeitsstörung)

Symptome

Insgesamt kann das klinische Bild bzw. die Symptomatik von Patient zu Patient sehr verschieden sein. Obwohl es sich somit um eine Krankheit mit vielen Gesichtern handelt, gibt es eine Einteilung der klinischen Symptome in 3 Klassen:

  • Positivsymptomatik
  • Negativsymptomatik
  • Psychomotorische Symptomatik

Besonders spezifisch für eine Schizophrenie sind beispielsweise Störungen des eigenen Ich-Gefühls im Sinne einer Fremdsteuerung, bei dem die Betroffenen das Gefühl haben, ihre Gedanken wären nicht ihre eigenen, als würden ihnen Ideen eingegeben oder genommen. Auch Wahnerleben gehört zum Formenkreis der Schizophrenie, beispielsweise in Form einer Paranoia oder einem Größenwahn. Sehr typisch sind außerdem akustische Halluzinationen in der Form von kommentierenden, meist negativen Stimmen, möglicherweise noch begleitet durch andere Halluzinationen. Zudem ist in der Regel das Denken und logische Kombinieren eingeschränkt und das Umfeld und Erlebte kann nicht mehr richtig interpretieren werden. 

Der Affekt, also ihr emotionales Erleben, ist ebenso beeinträchtigt, wodurch sich die scheinbare Teilnahmslosigkeit erklärt. In manchen Kontexten ist aber auch unangemessenen Überreagieren und unverständliche Reaktionen möglich. Die Ausprägung dieser Symptome variiert je nach Schizophrenie-Form. Multiple Persönlichkeiten, wie sie häufig in Film und Fernsehen inszeniert werden, sind ein eher seltenes Erscheinungsbild der Schizophrenie.

Einige dieser oben beschriebenen Symptome sind sehr spezifisch für eine Schizophrenie, wohingegen manche Symptome eher begleitend auftreten. Aus diesem Grund teilt man diese in Symptome 1. Ranges und 2. Ranges ein. 

Symptome des 1. Ranges

Unter der Bezeichnung „Symptom des ersten Ranges“ versteht man Symptome, die einen klaren Hinweis auf das möglich Vorliegen einer Schizophrenie geben können, da sie für eine Schizophrenie sehr spezifisch sind.

Eines der häufigsten Symptome erster Ordnung stellt das Hören von Stimmen dar. Hierbei unterscheidet man zwischen dialogisierenden und kommentierenden Stimmen, sowie dem Gedankenlautwerden, also dem Gefühl, dass die eigenen Gedanken von einer anderen Person nachgesprochen würden. Letzteres bewirkt bei Betroffenen oft, dass sie das Gefühl bekommen, Gedanken anderer diktiert zu bekommen.
Weiterhin können leibliche Beeinflussungserlebnisse vorhanden sein, was beschreibt, dass Betroffene das Gefühl haben, jemand anderes würde Zugriff zu ihrem Körper haben und beispielsweise den Arm heben, obwohl sie dies nicht wollen. Viele Personen vergleichen diese Erlebnisse mit dem Gefühl eine Marionette zu sein.

Weitere Symptome des ersten Ranges sind Gedankeneingebungen, Gedankenausbreitungen, Gedankenentzug. Bei letzterem empfinden Betroffene das Gefühl, dass meist ein übersinnliches Wesen, wie der Teufel, ihnen ihre Gedanken stellen würde und sie deswegen keine klaren Gedanken mehr fassen könnten.
Zu diesem Symptomspektrum gehören weiterhin das Gefühl der Willensbeeinflussung und der Wahnwahrnehmung, dass also realen Wahrnehmungen eine wahnhafte Bedeutung beigemessen wird.

Symptome des 2. Ranges

Symptome des zweitens Ranges sind in Abgrenzung zu Symptomen des ersten Ranges nicht sehr spezifisch für das Vorliegen einer Schizophrenie. Wichtig zu verstehen ist, dass diese Rangunterteilung keine Aussage über die Schwere oder die Auswirkungen der einzelnen Symptome trifft, sondern alleine die Spezifität dieser Symptome für eine Schizophrenie beschreibt.
Ein Beispiel für ein solches Symptom stellen Halluzinationen dar, die auch bei anderen psychischen Erkrankungen auftreten können. Man unterscheidet hierbei zwischen akustischen, optischen und olfaktorischen Halluzinationen. Doch auch affektive Störungen können Teil des Symptomspektrums einer Schizophrenie sein. Zu diesen Störungen gehören beispielweise depressive Verstimmungen, eine übertriebene Euphorie, Ratlosigkeit oder eine sog. Parathymie, also einer Differenz zwischen dem Ausdruck und dem Gefühlten. Ein Beispiel für letzteres wäre, dass eine Person lacht, obwohl sie eigentlich große Traurigkeit verspürt.

Zudem können Wahnideenoder -vorstellungen bei den Betroffenen vorhanden sein.
Diese Wahnideen werden meist in Verknüpfungen mit den anderen Symptomen der Schizophrenie gebracht. So bilden sich beispielsweise Personen mit optischen Halluzinationen oft ein, im Sinne einer Wahnvorstellung, verfolgt oder durch eine höhere Macht bestraft zu werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Symptome einer Schizophrenie

Positivsymptomatik

Die Symptome vieler psychischer Erkrankungen werden in positive und negative Symptome eingeteilt. Der Begriff der Positivsymptomatik umfasst hierbei alle Symptome, die im Vergleich zum Normalzustand, hinzukommen

Bei der Schizophrenie gehören hierzu beispielsweise akustische und optische Halluzinationen, wie dem Hören von Stimmen. In Kombination mit den meist vorhandenen Wahnideen bzw. -vorstellung können diese zu einer völligen Verzerrung der Realität für die Betroffenen führen und die Lebensqualität drastisch senken.
Weitere Symptome, die der Positivsymptomatik zugerechnet werden können, stellen formale und inhaltliche Denkstörungen dar. Erstere werden von schizophrenen Patienten meist als eine Gedankenblockade oder als Raub von Gedanken durch eine höhere Macht beschrieben, was dazu führt, dass sie keine logischen Gedankengänge mehr verfolgen können. Im Gegensatz hierzu gehen inhaltliche Denkstörungen mit Wahnideen oder Ich-Störungen einher.
So werden häufig normale Umstände auf die Person selbst bezogen und es wird versucht eine Erklärung für diese zu finden, die meist für Außenstehende nicht nachzuvollziehen ist.

Weitere Positivsymptome sind:

  • Verhaltensveränderungen
  • Störungen im Gefühlsausdruck
  • assoziative Lockerung (Zerfahrenheit)
  • Perseverationen (Wiederholungen)
  • Neologismen (Wortneuschöpfungen)

Positivsymptome sind für das typische Bild einer Schizophrenie verantwortlich und vor allem in akuten Schüben ausgeprägt. Sie sprechen gut auf die gängigen antipsychotischen Medikamente  und sind deutlich besser therapierbar als Negativsymptome.

Negativsymptomatik

Im Gegensatz zur Positivsymptomatik, umfasst der Begriff der Negativsymptomatik alle Symptome, die mit dem Verlust von normalen körperlichen und geistigen Fähigkeiten einhergehen, wie zum Beispiel geistige Defizite oder Sprachverarmung.

Affektive Störungen sind diesem Symptomspektrum ebenfalls zu zurechnen. Diese gehen meist mit einer Minderung des Antriebs und einer Interessenlosigkeit einher, der dann auch zu sozialem Rückzug führen kann.
Im Bereich der geistigen Leistungsfähigkeit können häufig starke Einschränkungen vorliegen, die im Krankheitsverlauf zunehmen. Zudem besteht eine starke Verminderung der Konzentrationsfähigkeitund eine Sprachverarmung.
Tritt die Schizophrenie bereits im Kinder- und Jungenalter auf, können weiterhin Einschränkungen der Motorik, im Sinne einer Muskelschwäche und Koordinationsproblemen, beschrieben werden.

Medikamentewirken leider kaum auf diese Beschwerden, die Behandlung von Negativsymptomen ist daher äußerst schwierig.

Die Wahnvorstellungen

Bei der sog. Wahnvorstellung ist der Inhalt des Denkens (Vorstellungen, Überzeugungen) gestört. Die Patienten entwickeln im Rahmen des Wahns Ideen, von denen sie überzeugt sind (im Sinne von „wissen“), dass sie wahr sind, obgleich diese nicht der Wahrheit entsprechen. Sie treten mit ungeheurem Einsatz für ihre Vorstellungen und Ideen ein und lassen in der Regel keinen Widerspruch zu. Gelegentlich, jedoch keineswegs immer, erscheinen diese Vorstellungen auch für Außenstehende recht logisch und durchdacht, so dass man von einem regelrechten „Wahnsystem“ sprechen kann. Es gibt in der Schizophrenie einige „typische“ Wahninhalte.

  • Verfolgungswahn (Paranoider Wahn)
    Bei dieser Art von Wahnvorstellung, fühlen sich Patienten verfolgt, bedroht oder auch unterdrückt.
    Zum Beispiel: Vorbeifahrende Autos können hier plötzlich zum Geheimdienst gehören. Der Nachbar, der nicht grüßt, hat einen Lauschangriff vor. Der klingelnde Postbote wird auf einmal zum Auftragsmörder.Auf der Straße fühlt man sich ständig beobachtet oder verfolgt.
  • Größenwahn (Megalomanie):
    Inhalt dieses Wahns ist die Großartigkeit des Patienten.
    Zum Beispiel: Der Patient hält sich für den Retter der Welt, den genialsten Wissenschaftler, direkten Nachfahre von Napoleon oder Jesus oder eine andere übermäßig fähige Person.
  • Kontrollwahn:
    Hierbei kommt es zu der Vorstellung, dass sowohl eigene Handlungen, Gedanken oder auch Impulse durch andere „Mächte“ oder Menschen beeinflusst und kontrolliert werden.
    Zum Beispiel: Ein Patient, der seine Gedanken als fremd und verändert erlebt, kann der festen Überzeugung sein, dass sein Nachbar von gegenüber ihn mit einem Gerät „bestrahlt“. Auch körperliche Beschwerden wie Unruhe oder Magenschmerzen werden durch „Aktionen“ anderer Menschen erklärt.
  • Beziehungswahn:
    Beim Beziehungswahn sieht der Patient in bestimmten Handlungen, Situationen, Gegenständen oder auch Menschen eine für ihn wichtige Bedeutung.
    Zum Beispiel: Der Patient glaubt, dass Fernsehsendungen oder Radioübertragungen Texte für ihn persönlich übermitteln. Auch können Verkehrsschilder eine versteckte Botschaft haben, in welche Richtung sich der Patient bewegen soll.
  • Verarmungswahn
    Hier weiß der Kranke um seinen bevorstehenden finanziellen Ruin, obwohl die Gefahr realsistisch betrachtet nicht gegeben ist. Hierbei drehen sich die Sorgen im Besonderen häufig um die Versorgung der Angehörigen
  • Hypochondrischer Wahn:
    Hier weiß der Patient, dass er an mindestens einer schweren körperlichen Erkrankung leidet. Diese Erkrankung wird vom Patienten nicht selten als unheilbar und tödlich wahrgenommen. Negative Befunde und Versicherungen mehrerer Ärzte können ihn nicht von dieser Überzeugung abbringen.
  • Versündigungswahn:
    Der Kranke weiß, dass er sich gegen eine höhere oder niedere Macht versündigt hat. Handelt es sich um einen gläubigen Menschen, ist der Inhalt des Wahns häufig religiös geprägt. Gibt es keine besondere Spiritualität, kann sich die Versündigung auf weltliche Belange erstrecken.
  • Nihilistischer Wahn:
    Dies ist ein Wahn, der insbesondere von Außenstehenden als besonders verstörend empfunden wird. Hierbei leugnet der Kranke als Resultat seiner empfundenen Leere die Existenz als eigene Person und gegebenenfalls auch noch die Existenz der ihn umgebenen Welt.

Störungen im Denken und Sprechen

Bei vielen Schizophreniepatienten fällt eine auffällige Ausdrucksweise auf, welche zumeist auf ein verändertes formales Denken zurückzuführen ist. Formal bedeutet nichtwas man inhaltlich denkt, sondern wie man denkt.
Zur besseren Erläuterung werden im Folgenden die häufigsten formalen Denkveränderungen aufgeführt.
Der Vollständigkeit halber soll erwähnt sein, dass solche formalen Denkstörungen natürlich auch bei anderen Störungen, wie z.B. der Manie, der Demenzetc. auftreten können.

  • Assoziative Lockerung (Zerfahrenheit):
    Dies bedeutet, dass Patienten von „Höcksken auf Stöcksken“ kommen. Schon kleine Reize von Außen führen dazu, dass ein Patient den Faden verliert. Insgesamt wirkt der ganze Sprachfluss unzusammenhängend und nicht oder nur sehr schwer nachvollziehbar.
    Zum Beispiel: Ein Patient wird gefragt, ob er heute schon seine Medikamente bekommen habe. Er antwortet daraufhin: Nein, die will ich nicht...die haben immer so blöde Nebenwirkungen. Mein Schwager ist ja auch blöd. Der ist jetzt schon 2 Jahre mit meiner Schwester zusammen. Die 2 kommt vor der 3....vor dem Haus ist besser als hinter dem Haus etc.
  • Perseverationen (Wiederholungen):
    Bei dieser Art von Denkstörung werden einzelne Worte oder Sätze bzw. Satzteile ständig wiederholt. Es bedeutet aber auch das starre Festhalten eines Gedankenganges bzw. eine mangelnde Flexibilität im Denken.
  • Neologismen (Wortneuschöpfungen):
    Patienten „erfinden“ neue Worte und bauen sie als selbstverständlich in ihren Sprachfluss mit ein.
  • Störungen im Gefühlsausdruck
    Diese Art von Störung bezeichnet Auffälligkeiten, die viele Schizophrene zeigen. Sie haben häufig große Schwierigkeiten sich emotional der Situation angemessen zu verhalten. Eine traurige Nachricht etwa wird verlacht, eine schöne Situation kann zum verzweifelten Weinen führen. Insgesamt kann die gesamte Stimmungslage relativ unberechenbar sein. Es kann in relativ kurzer Zeit zu Freudenausbrüchen kommen, auf die Wutausbrüche folgen.

Halluzinationen

Unter Halluzinationen versteht man frei übersetzt „Fehlwahrnehmungen der Sinne“. Unsere 5 Sinne vermitteln uns Reize, mit denen wir uns mit der Umwelt auseinandersetzen. Im Rahmen der Schizophrenie kann es nun passieren, dass einer oder mehrere dieser Sinne nicht vorhandene Reize aufnehmen und übermitteln.

Die häufigste ist die „gehörte“ Halluzination (akustische Halluzination). Hierbei hören die Patienten entweder sog. gerichtete oder ungerichtete Halluzinationen. Ungerichtete Halluzinationen sind z.B. Knall- oder Motorengeräusche.
Gerichtete Halluzinationen sind häufiger und treten meist in Form von Stimmen auf. Hierbei muss man als Behandler ganz genau auseinanderhalten, was diese Stimmen zum Patienten sagen. Möglich ist zum einen, dass es zu einem Gespräch zwischen dem Patienten und der Halluzination kommt (dialogisierende Stimmen), zum anderen, dass die Stimmen nicht zu, sondern über den Patienten sprechen (kommentierende Stimmen).
Eine dritte Möglichkeit ist besonders problematisch. Dies sind die befehlenden Stimmen (imperative Stimmen). Oft haben Patienten einen sehr starken Drang diesen Befehlen nachzugeben, in der Hoffnung dann Frieden zu finden. Eine imperative Halluzination ist somit immer ein Grund für eine stationäre Behandlung, da es ein erhöhtes Selbstschädigungsrisiko gibt. (Zur Not auch gegen den Willen des Patienten. S. hierzu auch Thema Betreuungsrecht).

Die zweithäufigste Halluzination ist die „gesehene“ Hallizination (optische Halluzination). Hier können alle möglichen Dinge (Tiere, Menschen, Gegenstände) auftreten. Ein typisches und gut bekanntes Beispiel für eine optische Halluzination, sind die sog. „weißen Mäuse“ bei einem Alkoholentzugsdelir.
Seltener gibt es die geschmacklichen (gustatorischen) Halluzinationen deren Inhalt sich meist um Essen und Trinken dreht; die gerochenen (olfaktorischen) Halluzinationen, bei denen oft schlimme Gerüche (z.B. Rauch und Verwesungsgeruch) im Vordergrund steht oder die gefühlten (taktilen) Halluzinationen, bei denen oft „Insektenkrabbeln“, Elektrostöße oder Juckreiz beschrieben werden.
Bei schizophrenen Patient kann häufig schon vor dem Auftreten echter Halluzinationen eine verstärkte Wahrnehmung beobachtet werden. Farben werden als greller, Geräusche als lauter wahrgenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Halluzinationen

Die Psychomotorik

Der Begriff der Psychomotorik beschreibt die durch psychische Vorgänge modulierbaren Anteile eines Bewegungsablaufs.

Im Rahmen psychischer Erkrankungen, wie etwa der Schizophrenie, kann es zu einer Störung dieser Verknüpfung zwischen Psyche und Bewegung kommen, was unterschiedlich Symptome zur Folge haben kann.
Hierzu gehört die Ausbildung von Bewegungsautomatismen, die sich in vielen verschiedenen Formen präsentieren können.  Zum Beispiel können Menschen den Automatismus entwickeln, alles Gehörte immer sofort nachsprechen zu müssen oder stets eine gegenteilige Bewegung durchzuführen, als die beobachteten Menschen.
Ein weiteres Symptom ist die Entwicklung von Ticks, also unwillkürlichen Muskelzuckungen, die sich rasch wiederholen. Ebenfalls kann eine starke ausgeprägtemotorische Unruhe bestehen, wie dem ständigen hin und her Laufen in einem Raum beispielsweise.

Im Gegensatz zu den genannten Symptomen, die mit einer erhöhten Bewegung einhergehen, können Störungen der Psychomotorik auch mit einer starken Bewegungsarmut und Antriebsarmut einhergehen.

Informieren Sie sich hier zum Thema Ticks. 

Nervosität als Symptom

Die, bei den meisten schizophrenen Patienten vorkommende Nervosität wird der Negativsymptomatik zugrechnet und ist oft eines der ersten Zeichen der Manifestation einer Schizophrenie.

Die Entstehung dieser ausgeprägten Nervosität kann zum einen auf eine grundlegende Befindlichkeitsstörung zurückgeführt werden, die im Rahmen dieser Erkrankungen bestehen können. Doch auch andere möglicher Symptome der Schizophrenie, wie Halluzinationen, können zu einer Nervosität führen, da die Betroffenen nicht wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Des Weiteren ist bei vielen Patienten im Rahmen einer psychomotorischen Störung eine motorische Unruhe zu beobachten, die das Bild der Nervosität verstärken kann.

Auch eine ausgeprägte Unruhe ist sehr häufig bei schizophrenen Patienten vorhanden. Diese Unruhe entsteht zum einen aus einer Störung der Psychomotorik, die mit der Entwicklung von Ticks, Bewegungsautomatismen oder dem Drang zur ständigen Bewegung einhergehen kann.
Doch spielen auch psychische Aspekte bei der Entstehung der Unruhe eine große Rolle. So können schizophrene Patienten oft keine klaren Gedanken mehr fassen und entwickeln im Rahmen des Krankheitsverlaufs meist Wahnideen, die durch optische und akustische Halluzinationen verstärkt werden können.

All diese Faktoren führen dazu, dass Betroffene körperlich und geistig nie zu Ruhe kommen können.

Depressive Verstimmungen als Symptom

Der Anfang einer Schizophrenie geht in circa der Hälfte der Fälle mit einer gedrückten Stimmung bzw. depressiven Verstimmung einher.

Diese beruht vor allem auf einer allgemeinen seelischen und geistigen Verlangsamung, die mit der Entwicklung von Freudlosigkeit einhergehen kann. Manche Patienten berichten von dem Gefühl einer inneren Leere. Die Folge ist oft das Erkalten sozialer Kontakte mit Freunden oder der Familie, die bis zu einer kompletten sozialen Isolation führen kann.

Diese Symptomatik, kann anfangs leicht mit dem Vorliegen einer Depression verwechselt werden, was einer der Gründe dafür ist, dass Schizophrenien nur selten in einem solchen frühen Stadium diagnostiziert werden können.

Auch eine über das normale Maß hinausgehende Nachdenklichkeit ist zu beobachten. Diese wird den oben beschriebenen formalen Denkstörungen zugerechnet und bedeutet, dass sich die Gedanken immer wieder um das gleiche, unangenehme Thema drehen, ohne dass dabei eine Lösung gefunden wird.
Zudem suchen viele Patienten nach einer möglichen Erklärung für das Auftreten der Halluzinationen, was dann häufig in Wahnvorstellungen endet.

Erfahren Sie hier mehr zum ThemaDepressionen.

Konzentrationsschwäche als Symptom

Die Entwicklung einer Konzentrationsschwäche ist ein sehr frühes Symptom einer beginnenden Schizophrenie und bei fast allen Patienten vorhanden.

Diese ist zum einen auf die allgemeine Befindlichkeitsstörung zurückzuführen, die bei vielen schizophrenen Patienten vorhanden ist. Doch auch der sogenannte Gedankenverlust über den viele Betroffene klagen kann hierfür ursächlich sein. Sie beschreiben dann, dass sie keine klaren Gedanken mehr fassen könnten, da jemand anderes, meist eine höhere Macht, ihnen die Gedanken raubt.
Zudem können die oft bestehenden akustischen und optischen Halluzinationen zu einer ständigen Reizüberflutung und Abgelenktheit führen, die dann zu einer schweren Konzentrationsschwäche führen.

Mehr zu diesem Thema hier nachlesen:Konzentrationsschwäche.

Schlafstörungen als Symptom

Die meisten Schizophrenie Patienten leiden im Verlauf der Erkrankung unter schweren Schlafstörungen, die das Resultat der vielen möglichen Symptome darstellt.
So kann die oft bestehende geistige und motorische Überaktivität dazu führen, dass Betroffene nicht zu Ruhe kommen können. Bei der häufigen Form der paranoiden Schizophrenie, leiden viele Patienten zudem unter Wahnideen, die mit einem Verfolgungswahn einhergehen und zu Schlafstörungen führen.
Weiterhin sind die möglichen akustischen Halluzinationen ein möglicher Grund für die Entwicklung von Schlafstörungen

Schlafstörungen werden auch bei einer Schizophrenie meist mit der Gabe von Schlafmitteln behandelt.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Schlafstörungen.

Vernachlässigung der persönlichen Erscheinung

Die Vernachlässigung der persönlichen Erscheinung stellt neben anderen Symptomen, wie einer depressiven Verstimmung oder Gedächtnisstörungen, eine weiteres Frühsymptom einer beginnenden Schizophrenie dar und tritt bei circa. 20-40% der Betroffenen auf.

Dieses Symptom wird den allgemeinen Befindlichkeitsstörungen zugerechnet und geht mit dem Verlust von Hygiene einher.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele schizophrene Patienten in sich gekehrt leben und das persönliche Erscheinungsbild eine immer geringere Rolle für sie spielt. Dieses Symptom wird durch eine zunehmende soziale Isolation meist verstärkt.

Lügen als Symptom

Es kommt bei schizophrenen Patienten sehr häufig vor, dass Außenstehende das Gefühl haben, angelogen zu werden, wenn der/die Betroffene seine Wahnvorstellungen schildert oder über gesehene oder gehörte Halluzinationen spricht.
Meist vergisst man hierbei jedoch wie real ein Mensch, der unter einer Schizophrenie leidet, solche Halluzinationen oder Stimmenwahrnehmungen empfindet. So können Betroffene meist nicht unterscheiden, ob etwas wirklich real ist oder nur Teil einer Halluzination
Diese Eindrücke werden durch die Entwicklung von Wahnvorstellungen verstärkt und ein übergeordneter Grund für die Wahrnehmungen gesucht, die dann für Außenstehende schnell wie eine Lüge wirken.

Im Gegensatz hierzu kann es jedoch auch vorkommen, dass schizophrene Patienten tatsächlich lügen, um das eigentliche Vorhandensein oder das Ausmaß der Erkrankung vor Angehörigen zu verschleiern. Dieses Phänomen ist meist am Anfang der Erkrankung stärker ausgeprägt.

Reizbarkeit als Syndrom

Eines der frühen Anzeichen einer beginnenden Schizophrenie können Befindlichkeitsstörungen, wie beispielsweise eine erhöhte Reizbarkeit, sein.
Dies ist vor allem bei der häufigsten Form der Erkrankung, der paranoiden Schizophrenie, der Fall, bei der die Entwicklung von Wahnvorstellungen und akustischen Halluzinationen im Mittelpunkt stehen.
Betroffene gewinnen hierbei schnell den Eindruck, dass sie von allen anderen Menschen angelogen werden und diese ihnen nicht glauben wollen, was sich dann als starke Reizbarkeit äußern kann

Symptome an den Augen

Viele schizophrene Patienten haben Probleme, einem sich langsam bewegenden Objekt kontinuierlich mit den Augen zu folgen und fallen durch schnelle und ruckartige Blickfolgen aus. Ob das rein auf die psychische Belastung oder spezifisch auf die Schizophrenie zurückgeführt werden kann, ist noch nicht eindeutig erwiesen. Zur Zeit laufen Studien zu diesem Thema, um eine Schizophrenie schon frühzeitig an den Augen erkennen zu können, zur heutigen Diagnostik gehört die Augenuntersuchung aber noch nicht.

Was können Residualsymptome sein?

Die Bezeichnung der Residualsymptome umfasst alle Symptome, die auch nach einer erfolgreichen Therapie bzw. der Ausheilung einer Krankheit noch bestehen.

Bei einer Schizophrenie ist dies meist nach einem akuten Schub der Fall. Allgemein kann man feststellen, dass hierbei die Negativsymptomatik deutlich dominanter gegenüber der Positivsymptomatik ist.
So ist bei vielen Patienten nach einem akuten Schub der Schizophrenie eine Persönlichkeitsveränderung in unterschiedlichem Maße zu erkennen, die oft mit einer depressiven Verstimmung und sozialen Rückzug einhergehen. Zudem können die Gedächtnis- und Konzentrationsstörung bei manchen Patienten auch dauerhaft vorhanden sein.

Nur bei einem kleinen Teil der Patienten ist nach dem Ausklingen eines akuten Schubs, keine Residualsymptomatik feststellbar.

Symptome bei Kindern

Die Schizophrenie ist im Kinder- und Jungenalter eine vergleichsweise seltene Erkrankung. Leider hängt die Prognose der Erkrankung maßgeblich vom Alter der Ersterkrankung ab und ist somit bei Kinder schlechter als bei Erwachsenen.

Die ersten Symptome der Schizophrenie bei Kindern sind häufig sehr unspezifisch, wie beispielweise Denkstörungen, und werden oft bagatellisiert und auf den Entwicklungsprozess zurückgeführt. Dies hat zur Folge, dass die meisten Schizophrenien im Kindesalter erst in einem späteren Alter korrekt diagnostiziert werden.
Weitere Frühsymptome der Schizophrenie können Störungen der körperlichen, geistigen und sozialen Entwicklung sein. So kann festgestellt werden, dass der Spracherwerb meist erst einige Monate bis Jahre später als bei anderen Kindern eintritt, sowie mittlere bis schwerer Koordinationsprobleme und eine Muskelschwäche vorhanden sind. Hinzu kommen affektive Schwankungen, wie eine ausgeprägte Reizbarkeit, bizarres Verhalten oder das Gefühl der Antriebslosigkeit. Es besteht zudem oft ein Defizit an sozialen Interesse.

Neben diesen Frühsymptomen kann sich jedoch auch im Verlauf der Erkrankung das gesamte Symptomspektrum der Schizophrenie, wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, das Hören von Stimmen, usw. ausbilden.

Gibt es einen sicheren Test auf Schizophrenie?

Einen wirklich sicheren Test gibt es für keine Erkrankung der psychiatrischen Medizin. Speziell die Schizophrenie ist keine einheitliche Krankheit, denn jeder Patient hat eine ganz individuelle Ausprägung und zeigt andere Symptome. Psychologische Auffälligkeiten mittels eines Tests zu objektivieren ist daher schwierig und bei so komplexen Erkrankungen wie der Schizophrenie schlichtweg unmöglich. Die Diagnose erfolgt stattdessen über die Erfassung typischer Symptome und dem Ausschluss anderer Ursachen. Daher muss zunächst eine ausführliche körperliche und neurologische Untersuchung sowie mindestens eine Bildgebung des Gehirns erfolgt sein, bevor Tests zur Erfassung einer Schizophrenie durchgeführt werden können. Auch ein Drogenmissbrauch als Ursache für die Symptome muss ausgeschlossen werden. Die dann durchgeführten Tests erfassen auch nicht direkt die Schizophrenie, sondern eher typische Denkstörungen, wie sie bei dieser Erkrankung vorkommen können. Es gibt daher keinen wirklichen Schizophrenie-Test oder Fragebogen, wie es beispielswiese bei Depressionen der Fall ist, sondern nur allgemeine Prüfungen der kognitiven Leistung und des psychischen Befindens.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Wie kann  man auf eine Schizophrenie testen?

Was ist von Online-Tests zu halten?

Da es wie bereits aufgeführt keinen verlässlichen Schizophrenie-Test gibt, kann die Erkrankung auch nicht durch Online-Tests ausreichend erfasst werden. Die meisten schizophrenen Patienten glauben ohnehin nicht krank zu sein, und würden daher auch keinen solchen Test von sich aus machen. Trotzdem können solche Online-Angebote hilfreich sein, beunruhigende Symptome an sich selbst oder einem Angehörigen zu erkennen, richtig einzuordnen und von einem Arzt abklären zu lassen. Online-Tests können somit keine verlässliche Diagnose liefern, aber den Betroffenen oder ihren Angehörigen in die richtige Richtung führen und ihn somit zu einer professionellen Hilfe leiten.

Welche Behandlungen gibt es?

Die Behandlung einer Schizophrenie ist schwierig, da es keine ursächliche Therapie gibt. Hauptansätze sind daher Medikamente, genauer Antipsychotika (früher als Neuroleptika bezeichnet), und Psycho- bzw. Verhaltenstherapie, um die Symptome zu lindern. Leider realisieren die wenigsten Patienten, dass sie krank sind, und sind daher schwer zu einer längerfristigen Therapie zu motivieren. Man erreicht den Patienten nur dann, wenn er durch seine Symptome Probleme im Alltag hat, also von einer Therapie auch subjektiv profitiert, und er dem Behandler vertraut.

Den besten Erfolg erzielt man durch Medikamente. Diese wirken vor allem auf die sogenannten Plus-Symptome, wie z.B. Wahn und Halluzinationen. Negativ-Symptome, wie z.B. Antriebslosigkeit und Apathie, werden durch die Medikamente leider kaum beeinflusst. Auch die Nebenwirkungen sind ein großes Problem der Antiposychotika, allen voran die Störungen des Bewegungsablaufes, wie z.B. Zuckungen oder unwillkürliche Bewegungen, die auch nach Absetzen der Medikamente bestehen bleiben können. Daher versucht man heute, auf weniger stark wirksame Medikamente zurückzugreifen, da sie deutlich weniger Nebenwirkungen aufweisen, und die Behandlung durch Psychotherapien zu ergänzen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Therapie einer Schizophrenie

Welche Medikamente können helfen?

Hochpotente, also sehr wirkungsvolle Medikamente sind beispielsweise die typischen Antipsychotika wie Ben- oder Haloperidol. Diese wirken sehr gut und sehr schnell, haben aber das große Problem der motorischen Nebenwirkungen wie z.B. unfreiwilliges Zucken und Grimassieren, sodass sie heute nur noch für kurze Zeit gegeben werden sollten. Die neuen atypischen Medikamente Clozapin und Risperidon wirken etwas anders und haben daher besser beherrschbare Nebenwirkungen, sind dabei aber trotzdem sehr wirksam und heute die 1. Wahl in der Therapie der Schizophrenie.

Weniger potente Substanzen sind beispielsweise das Quetiapin oder das Pipamperon, die eher beruhigend als antipsychotisch wirken und aufgrund des besseren Nebenwirkungsprofils bei leichteren Krankheitsverläufen bevorzugt werden. Zwar treten somit heute kaum noch schwere, nicht beherrschbare Begleiterscheinungen auf, Nebenwirkungen sind aber auch bei den neueren Medikamenten häufig. Alle Patienten müssen daher engmaschig untersucht und kontrolliert werden.

Ist eine Schizophrenie heilbar?

Den Ärzten stehen keine ursächlichen Behandlungsmethoden zur Verfügung, die Medikamente und Psychotherapien dienen lediglich der Symptomkontrolle und der Rückfallprophylaxe. Man geht davon aus, dass sich ca. ein Drittel aller Patienten nach dem ersten Schub wieder vollständig erholt und damit geheilt ist, ein Drittel mindestens einen Rückfall erleidet und das letzte Drittel eine chronische Schizophrenie entwickelt. Eine frühe Therapie wirkt sich günstig auf die Prognose aus, da sich die Psychose dann nicht vollständig ausbilden kann und das Risiko für Residuen sinkt, aber eine Heilung wird dadurch nur unterstützt, nicht direkt erzielt.

Durch Antipsychotika lässt sich das Rückfallrisiko von über 80% auf unter 20% senken und therapierte Patienten sind in der Regel schubfrei, wenn die Behandlung früh genug begonnen wurde. Ob diese Schubfreiheit aber durch die Medikamente erzielt wurde, die die Symptome lediglich in Schach halten, oder ob die Patienten tatsächlich geheilt sind, lässt sich erst im längerfristigen Verlauf sagen. Günstige Prognosefaktoren sind das weibliche Geschlecht, eine gute soziale Integration, kurze und akut beginnende Schizophrenieschübe und eine frühe Therapie. Negative Faktoren hingegen sind das männliche Geschlecht, eine schlechte psychosoziale Situation und ein schleichender Erkrankungsbeginn mit ausgeprägter Negativsymptomatik und verzögerter Behandlung.

Verlauf

Eine Schizophrenie verläuft sehr individuell. Man kennt bezüglich des Verlaufes die sog. „1/3“-Regel, die besagt, dass bei einem Drittel der Patienten die Symptome einmal und dann nicht wieder auftreten. Ein zweites Drittel hat wiederkehrende „Schübe“ und ein Drittel verbleibt in einem sog. „Residualzustand“, in dem es zwar keine akute Positivsymptomatik (s.u.) mehr gibt, jedoch einen allgemeinen und dauerhaften Leistungsabfall.
Häufig verläuft die Erkrankung in den unten erwähnten 3 Phasen, die eine sehr unterschiedliche Länge aufweisen können. Sie kann aber auch ohne diese Phase chronisch verlaufen.

Man unterscheidet drei verschiedene Krankheitsphasen.

  • Das Prodromalstadium:
    In dieser Phase liegen noch keine klassischen Symptome (s.u.) der Schizophrenie vor. Vielmehr sinkt zunächst einmal die allgemeine Leistungsfähigkeit. Der Betroffene hat zunehmend mehr Schwierigkeiten sich auf seine Arbeit oder sonstige Aufgaben des alltäglichen Lebens zu konzentrieren. Es verliert häufig sein Interesse für seine Mitmenschen, seine Arbeit, aber auch an seinem Erscheinungsbild und Körperhygiene. Häufig kommt es zu einem deutlichen sozialen Rückzug, einer Zunahme an Ängsten und Schlafstörung. Gelegentlich klingen vielleicht schon Wahnideen (s.u.) an oder es fällt ein zunehmend verwirrtes Denken auf.
  • Das floride (blühende) Stadium:
    In dieser Phase, die die eigentliche Krankheitsphase darstellt, treten die unten aufgeführten Symptome auf. Diese Symptome müssen fast ständig während eines Monats oder länger auftreten, um die Diagnose Schizophrenie zu vergeben. In manchen Fällen wird diese Phase durch psychosozialen Stress ausgelöst.
  • Die Residualphase
    Diese dritte Phase erinnert von der Symptomatik her an die Phase des Prodromalstadiums. Es treten in der Regel keine akuten Symptome mehr auf, doch ist der Patient noch nicht wieder der „Alte“. Es kommt häufig zu einer Art Erschöpfungszustand mit einem vermehrten Schlafbedürfnis und zu Depressionen (postpsychotische Depression). Diese Phase kann nur kurz andauern, mit dem Ergebnis, dass der Patient wieder annähernd seine alte Leistungsfähigkeit zurück erlangt und wieder ein Leben wie vorher führen kann.
    Es kann aber auch sein, dass er weiterhin unter „Restsymptomen“ leidet und in der Residualphase verbleibt. Dieser Patient hat leider eine geringere Wahrscheinlichkeit auf ein vollständiges Abklingen der Symptomatik. Oft wird beobachtet, dass nach Jahren der Residualsymptomatik eine weitere floride Phase folgt, die dann wieder in das Residuum übergeht.
    Es ist schwer vorherzusagen, welcher Patient sich nach einem ersten psychotischen Schub wieder einigermaßen „erholt“ (volle Remission) und wer weiterhin schwer beeinträchtigt bleibt im Leben.
    Die Forschung hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen günstigen Verlauf höher ist, wenn die Person vor der Erkrankung ein erfolgreiches Leben führte (hohes prämorbides Niveau der Rollenerfüllung), wenn der Störung ein belastendes Ereignis vorausging, wenn sie abrupt einsetzte ohne lange Prodromalphase oder wenn sie im mittleren Alter auftrat.

Was können Anzeichen für eine bevorstehende Schizophrenie sein?

Die meisten psychiatrischen Erkrankungen beginnen mit einer sogenannten Prodromalphase, in der schon erste Auffälligkeiten am Patienten auftreten, aber noch keine typischen Symptome ausgeprägt sind. Dieses Stadium kann schon Jahre vor der eigentlichen Psychose beginnen. Die ersten Anzeichen sind dabei meistens keine Wahnvorstellungen oder andere typische Charakteristika einer Schizophrenie, sondern eher Negativsymptome, wie beispielsweise Depressivität und sozialer Rückzug. Die Patienten sind unruhig, von Sorgen geplagt und ihr Denk- und Konzentrationsvermögen beeinträchtigt, ihre Wahrnehmung verzehrt sich immer mehr und sie verlieren den Bezug zur Realität. Sie spüren häufig eine näher kommende Bedrohung, die später dann im Rahmen der Psychose in einen Wahn übergehen kann.

Leider sind die ersten Anzeichen sehr unspezifisch und könnten genauso Ausdruck anderer Probleme und Erkrankungen sein, beispielsweise einer Depression. In vielen Fällen berichten die Angehörigen im Rückblick, der Patient wäre bereits Jahre vor der Psychose seltsam geworden und hätte sich immer weiter zurückgezogen. Spezifischere Anzeichen kommen dann erst Monate bis Wochen vor Ausbruch der Psychose zum Ausdruck, wenn sich ein Wahn abzeichnet oder Halluzinationen auftreten.

Häufigkeit und Dauer schizophrener Schübe

Die Häufigkeit und Dauer eines akuten schizophrenen Schubs sind sehr unterschiedlich. Beginnt der Schub hochakut und ist der erste dieser Art, lässt er sich gut medikamentös behandeln und klingt nach wenigen Wochen komplett ab. Dann stehen die Chancen gut, dass es zu keinen weiteren Symptomen kommt. Patienten mit häufigeren Schüben, die eher schleichend beginnen, müssen häufig monatelang behandelt werden und haben ein hohes Risiko, einen weiteren Schub zu erleiden. Die schlechteste Prognose haben Patienten mit stark ausgeprägter Negativsymptomatik, da diese häufig auch mit Medikation bestehen bleibt.

Dauer einer schizophrenen Phase

Die Dauer einer schizophrenen Phase ist stark vom Patienten, seinem bisherigen Krankheitsverlauf und der Therapie abhängig.  Werden Medikamente eingenommen und handelt es sich um den ersten Schub, können die Symptome meist in wenigen Wochen kontrolliert und Rückfälle vermieden werden. Leidet der Patient schon länger an der Schizophrenie und nimmt womöglich keine oder nur unregelmäßig Medikamente, kann sich die Psychose in ihrem Vollbild ausprägen und Monate bis Jahre bestehen bleiben. Bei manchen Patienten geht der akute Schub sogar in eine chronische Schizophrenie über, die sich nicht wieder komplett zurückbildet und einige Symptome dauerhaft bestehen bleiben.

Ursachen der Schizophrenie

Warum ein Mensch schizophren wird, ist nach wie vor nicht genau geklärt. Man weiß, dass die Gene einen großen Einfluss auf die Krankheitsentstehung haben müssen, da viele Patienten Verwandte mit der gleichen Diagnose haben. Studien zufolge erhöht sich das Erkrankungsrisiko um das 5- bis 15-fache, wenn ein erstgradig Verwandter an einer Schizophrenie leidet. Man vermutet daher, dass genetische Faktoren dabei die wichtigste Rolle spielen. Die verursachenden Gene regulieren unter anderem den Stoffwechsel verschiedener Botenstoffe im Gehirn, allen voran Dopamin, weswegen man ein Ungleichgewicht dieser Signalstoffe für viele Symptome der Schizophrenie verantwortlich macht und antipsychotische Medikamente mit Wirkung auf die Dopamin-Rezeptoren einsetzt. Unabhängig davon haben sich aber auch Schädigungen des Gehirns oder eine gestörte Hirnentwicklung bei vielen Patienten als mitursächlich nachweisen lassen. Da aber nicht jeder mit solchen Risikofaktoren schizophren wird, vermutet man, dass noch weitere Umstände, z.B. die Umwelt, eine Rolle spielen müssen. Ist also eine gewisse genetische und biologische Disposition vorhanden, könnten Faktoren wie Stress oder Drogenmissbrauch die Symptome auslösen.

Welche Probleme haben Schizophrene in der Partnerschaft?

Die Auswirkungen einer Schizophrenie auf die Beziehung des Patienten sind sehr komplex und stark abhängig davon, wie schwer die Psychose ist. Im besten Fall kann der Partner in die Therapie miteingebracht werden, der Patient wird optimal medikamentös eingestellt oder sogar geheilt und das Paar ist hinterher stärker verbunden als vorher. Im schlimmsten Fall hingegen zieht sich der Patient immer weiter zurück, erfährt einen kompletten Wesenswandel und entfremdet sich zunehmend von seinem Partner oder bezieht ihn in die Erkrankung mit und wird somit zu einer enormen Belastung. Unabhängig vom genauen Verlauf ist die Mitbetreuung des Partners immer wichtig, der in der Regel sehr unter der Erkrankung seines geliebten Menschen leidet.

Wie hoch ist die Vererbbarkeit der Schizophrenie?

Die genetische Belastung scheint der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Schizophrenie sein. Hat man keine schizophrenen Verwandten, liegt das Erkrankungsrisiko bei unter 1%. Sind Verwandte zweiten Grades betroffen, so erhöht sich das Risiko auf 3-5%, und bei Verwandten ersten Grades sogar auf 9-12%. Sind beide Eltern betroffen oder der eineiige Zwilling, so hat man ein Risiko von 50%. Man geht daher davon aus, dass über 80% aller Schizophrenieerkrankungen mehr oder weniger genetisch bedingt sind. Allerdings machen diese Gene die Person lediglich anfällig für die Schizophrenie und ohne belastende Umweltfaktoren erkranken auch Menschen mit hohem genetischen Risiko in der Regel nicht.

Welche Schizophrenieformen unterscheidet man?

Die drei Hauptformen sind die paranoide, die hebephrene und die katatone Schizophrenie. Die paranoide Form kennzeichnet sich vor allem durch Wahnvorstellungen und zugehörige Symptome. Bei der hebephrenen Schizophrenie hingegen stehen nicht Wahn und Halluzinationen im Vordergrund, sondern eine Affektminderung. Dies zeigt sich im teilnahmslosen, läppischen Verhalten des Patienten. Die katatone Schizophrenie zeigt sich durch eine völlige Abschottung des Patienten, der nicht spricht und sich nicht bewegt. Diese Form ist am schwierigsten zu behandeln.

Was ist eine paranoide Schizophrenie?

Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Schizophrenie-Form. Hierbei ist das Hauptsymptom die Paranoia, also ein Wahn, meistens begleitet durch akustische Halluzinationen, z.B. in Form von Stimmen im Kopf. Diese Stimmen sind meistens kommentierend und abwertend, urteilen also über den Patienten und seine Handlungen und zermürben ihn somit mehr und mehr. Die Paranoia ist im Volksmund als Verfolgungswahn bekannt, allerdings bedeutet das Wort grob übersetzt lediglich „gegen den Verstand“ und bezeichnet im medizinischen Sinn jegliche Form von Wahnvorstellungen, weswegen zur paranoiden Schizophrenie nicht immer zwingend ein Verfolgungswahn gehören muss. Viele Patienten entwickeln auch einen Größenwahn oder eine Kombination verschiedener Wahnvorstellungen. In den meisten Fällen besteht der Wahn in der Fehlinterpretation anderer Personen, der Patient empfindet das Verhalten seiner Mitmenschen als feindselig, als wären alle gegen ihn und wollten ihm etwas Böses, es kommt also in der Tat zu einer Art Verfolgungswahn. Dieser zeigt sich initial als Ängstlichkeit und einem generellen Misstrauen, kann sich aber auch zu komplexen Verschwörungstheorien entwickeln.

Was versteht man unter einer Schizophrenia simplex?

Wie bereits erwähnt gibt es sehr viele unterschiedliche Formen der Schizophrenie. Es ist daher auch nicht klar, ob es sich dabei wirklich immer um dieselbe Krankheit handelt, oder ob die Schizophrenie nicht nur ein Überbegriff für viele verschiedene Psychosen ist, die noch genauer untersucht und differenziert werden müssen. Die Schizophrenia simplex ist eine dieser Formen, die in den meisten Fällen nur sogenannte Negativsymptome aufweist und sich daher stark von den typischen Schizophrenie-Formen abgrenzt. Das bedeutet, dass die Patienten hauptsächlich affektgemildert sind, also apathisch und teilnahmslos wirken, aber nur in seltenen Fällen an Wahnvorstellungen oder Halluzinationen leiden. Sie fallen daher hauptsächlich durch ihr inadäquates Verhalten auf, die Patienten wirken irgendwie seltsam und zurückgezogen. Leider nimmt die Schwere der Symptome mit der Zeit zu und ist nur sehr schwer zu therapieren, da die gängigen Medikamente vor allem auf die Positivsymptome wirken. Die Prognose der Schizophrenia simplex ist daher auch heute noch ungünstig.

Was ist ein schizophrenes Residuum?

Wie die meisten psychiatrischen Erkrankungen verläuft auch die Schizophrenie mehr oder weniger schubförmig. Das bedeutet, dass die Symptome auch ohne Therapie irgendwann von alleine zurückgehen, aber auch wiederkommen können. Viele Patienten sind nach einem einmaligen Schub symptomfrei und praktisch geheilt, aber leider kommt es nicht bei allen zur vollständigen Remission, also dem kompletten Abklingen aller Symptome. Wenn nach einer schweren schizophrenen Phase also gewisse Auffälligkeiten zurückbleiben, bezeichnet man dies als schizophrenes Residuum. In den meisten Fällen verläuft die Positivsymptomatik wie z.B. Wahn und Halluzinationen schubförmig, verschwindet also wieder komplett, während Negativsymptome wie z.B. Apathie und Teilnahmslosigkeit auch zwischen den Schüben als Residuen bestehen bleiben können. Leider können sich diese mit jedem Schub verschlechtern und sind kaum zu therapieren. Bei chronischen Verläufen der Schizophrenie sind die Residuen daher ein großes Problem.

Lügen bei schizophrenen Patienten

Schizophrene Patienten sind psychisch krank, aber nicht dumm. Sie wissen, dass sie mit ihren Überzeugungen auf Ablehnung stoßen und fangen irgendwann an, den Menschen das zu sagen, was sie hören wollen. Mit solchen Lügen verschleiern sie einerseits ihre Symptome, andererseits versuchen sie, potentiellen Verfolgern und feindselig gesinnten Personen zu entgehen. Psychiater geben sich daher große Mühe, ohne Wertung auf den Pateinten einzugehen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, um nicht angelogen zu werden.

Ist die Lebenserwartung bei einer Schizophrenie reduziert?

Eine Schizophrenie ist zwar keine primär körperliche Krankheit, wirkt sich aber enorm auf die psychische und somit sekundär auch auf die körperliche Gesundheit aus, z.B. auf das Herz und die Gefäße. Unbehandelt ist eine Schizophrenie schlichtweg zermürbend. Besonders gefährlich ist zudem das Risikoverhalten, das Patienten in ihrem Wahn zeigen, z.B. riskantes Autofahren, wenn sie sich verfolgt fühlen. Auch Selbstmord ist bei schizophrenen Patienten ein Problem, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. So macht die Schizophrenie an sich zwar nicht primär körperlich krank, die Lebenserwartung ist aber vor allem bei der langjährigen Form aufgrund der psychischen Belastung und Unfällen bzw. Suiziden um mehrere Jahre bis Jahrzehnte verringert.

Warum sind Schizophrene künstlerisch begabter?

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